Armut, Perspektivlosigkeit und der Traum vom goldenen Westen machen es Menschenhändlern leicht, Frauen mit falschen Versprechungen anzuwerben.
Manche Frauen werden bei der Anwerbung darüber getäuscht, dass sie in Deutschland als Prostituierte arbeiten sollen. Andere Frauen wissen, dass sie als Prostituierte arbeiten werden, sehen jedoch in ihrer ausweglosen Situation in der Heimat keine andere Alternative.
Beiden Opfergruppen ist es gemeinsam, dass sie über die realen Arbeitsbedingungen – Arbeitszeiten, Einkommen, Praktiken, Rechtslage – getäuscht wurden.
Verführt durch scheinbar nette vertrauenswürdige Menschen, die tolle Versprechungen machen, glauben viele Frauen an das ganz große Glück. Nicht selten verlieben sie sich in männliche Anwerber und folgen ihnen vertrauensvoll.
Nina lebt bei ihren sehr armen Eltern und vier Geschwistern in einem kleinen Dorf im Osten von Ungarn. Nach dem Hauptschulabschluss findet sie keine Arbeitsstelle und ist frustriert.
In einer Disco wird Nina von einer vertrauten Freundin für einen vermeintlich tollen Job in Deutschland angesprochen. Sie sagt ihr, dass sie von einem guten Bekannten namens Attila nach Deutschland nach Deutschland gebracht werden könne.
Attila ist sehr attraktiv. Nina verliebt sich in ihn und glaubt ihm alles. In Deutschland angekommen, erklärt Attila, dass sie als Prostituierte arbeiten muss. Nina lehnt zunächst ab. Attila kann sie aber mit bunten Versprechungen überzeugen, und Nina willigt ein. Sie träumt von dem vielen Geld, das sie dort verdienen soll.
Zusammen mit anderen jungen Frauen wird sie in einen großen exklusiven Club gebracht, in dem die meisten Kunden wohlhabende Geschäftsleute und Familienväter sind. Anfangs fällt es Nina sehr schwer, im Bar- und Wellnessbereich des Clubs nackt zu sein und die Männer dazu zu animieren, mit ihr aufs Zimmer zu gehen. Sie passt sich mit der Zeit an, stumpft aber gleichzeitig innerlich ab.
Manchmal trifft sie Männer im Club, zu denen sie Vertrauen fassen und sich anlehnen kann.
Häufig aber ekelt sie sich vor den Freiern, wenn diese unästhetisch, ordinär, brutal oder betrunken sind, besonders dann, wenn Männer Oralsex ohne Kondom verlangen. Sie kann sich gegen solche Forderungen nicht wehren, weil sie Angst vor den Clubbetreibern hat, und weil sie zu wenig Deutsch spricht. Einmal beschwert sie sich bei Attila, er wird wütend auf sie und droht ihr.
Nina ist beeindruckt, wenn Attila ihr die „Zuckerseiten“ des Lebens zeigt und liebt ihren „Prinzen“. Sie hat Vertrauen zu ihm und glaubt ihm, dass sie seine einzige Geliebte sei. Später muss sie erkennen, dass Attila mit anderen Frauen das gleiche Spiel treibt.
Selbst als die Polizei Attila festnimmt und einige Hunderttausend Euro beschlagnahmen kann, steht Nina immer noch zu ihm. Es fällt ihr schwer, ihr Recht wahrzunehmen und das ihr zustehende Geld, den Verdienst für ein Jahr, mit Hilfe einer Rechtsanwältin einzufordern.
Der Mann, der sie am Busbahnhof in Deutschland abholen sollte, erscheint nicht. Sie hat Angst. Sie spricht kein Wort Deutsch und sie hat noch nie von dieser Stadt gehört, in der sie angekommen ist. Sie wird von drei mitreisenden Frauen angesprochen, welche auch vom Busbahnhof abgeholt werden. Die Frauen erklären ihr, dass der Mann, der sie abholen wollte, einen Striptease-Club habe und seine Mädchen schlecht behandle.
Schlagartig wird Swetlana klar, dass ihr Chef in Lettland das gewusst haben muss. Die Frauen machen ihr Angst: Die Polizei käme und würde sie ins Gefängnis stecken, wenn sie noch länger hier am Bahnhof herumstünde. Also steigt sie mit den anderen in den VW-Bus. Am Steuer sitzt eine dicke blonde Frau. Sie ist Chefin des Bordells, wie sich schnell herausstellt. „Du darfst hier bleiben und arbeiten. Du kannst aber auch gehen“, sagt sie zu Swetlana. Doch wohin? Sie ist müde und verwirrt und hat Angst. Sie hat kein Geld, um zu Hause anzurufen oder zurückzukehren. Sie willigt ein. „Ich dachte mir, das werde ich schon aushalten, bis ich die Rückfahrkarte verdient habe. Ich hatte keine Vorstellung von Prostitution. Ich war so naiv.“
„Am Anfang, als ich beginnen sollte zu arbeiten, dachte ich, ich sollte in einer Bar animieren. Als ich dann in die Sauna gebracht wurde, hat man mir gesagt, dass ich als Prostituierte arbeiten muss. Es war überraschend für mich. Es war wie Schnee im Sommer. Wir sind dahin gekommen, ausgestiegen und die Zuhälter sind weggefahren. Ich war schockiert. Als ich in die Sauna kam, sah ich nackte Frauen und Männer und habe gedacht, aber an der Bar kann ich bestimmt mit Kleidung sitzen. Dann hat mir eine Frau alles erklärt und ich habe kapiert, was ich hier arbeiten muss. Das war für mich sehr schwer. Die erste Zeit habe ich geweint und geweint. Dann habe ich endlich für mich verstanden: ich will nicht, aber ich muss.“